Immer wieder Sonntags

Heute zum Sonntagsfrühstück habe ich einmal einen Blick in die jüngere Vergangenheit geworfen und die letzten Jahre „Sonntagsfrühstück“ Revue passieren lassen. Dieser Exkurs war sehr interessant.

Noch vor einigen Jahren gab es bei uns Sonntags die Brötchen aus dem Tiefkühlschrank oder vom Bäcker um die Ecke. Die Marmelade und Konfitüre, sowie auch der Kaffee, stammten aus dem örtlichen Supermarkt. Wie eigentlich alle anderen Dinge auch.

Heute wäre das für mich unvorstellbar. Ich möchte nicht schlecht reden wie wir uns ernährt haben, es waren andere Zeiten und andere Prioritäten. Das Frühstück, bzw. das Essen an sich hatten ein anderen Stellenwert und waren oftmals einfach nur Mittel zum Zweck. Man fand gut was auf den Tisch kam und dachte nicht wirklich weiter darüber nach.

Heute sehe ich das komplett anders und meine Familie und ich haben einen kompletten Wandel durchlebt. Sonntagmorgen 8 Uhr stehe ich in der Küche und suche alle Grundzutaten für Milch- oder Sonntagsbrötchen zusammen. Also ganz klassisch Mehl, Salz, Zucker, Milch, Hefe, etc. Die Zutaten verarbeite ich dann selbst weiter, knete den Teig, forme die Brötchen und backe diese dann im Ofen. Wenn ich vor fünf Jahren eine Küche betreten habe wurde ich gefragt ob ich mich verlaufen hätte und heute stelle ich selbst Lebensmittel her. Verrückt!

Bei den Brötchen haben wir nicht halt gemacht. Den Kaffee bestellen wir heute als ganze Bohne, z.B. bei Coffee Circle aus Berlin. Der Kaffee ist natürlich fair gehandelt, nachhaltig angebaut und nur aus einem Gebiet, bzw. nur einer einzigen Plantage. Während die Brötchen also im Ofen backen und angenehmen Duft in der Wohnung verbreiten, setze ich Wasser auf dem Herd an, ganz Retro in einem Emaille-Wassertopf, leider ohne Pfeife. Parallel dazu mahle ich den Kaffee mit der Hand, genau abgewogen und angepasst auf die jeweilige Kaffeesorte. Kurz bevor die Brötchen fertig sind, brühe ich den Kaffee dann in einer Chemex auf und halte diesen auf einem Stövchen warm.

Damit aber noch nicht genug. Auf dem Frühstückstisch stehen heute keine gekauften Konfitüren oder Marmeladen. Saisonabhängig findet man bei uns Erdbeermarmelade, aus selbst gepflückten Erdbeeren, oder Kirschmarmelade, bzw. Pflaumenmus. Auch vor Experimenten machen wir nicht halt und ab und an findet man auch exotischeres auf dem Tisch. Die Zutaten sind immer sorgsam ausgesucht, bzw. selbst geerntet. Dazu nehmen wir es auch in Kauf ein paar Kilometer mehr zum nächsten Markt zu fahren, nur um dort dann gutes Obst- und Gemüse zu erhalten.

Dies alles ist problemlos machbar wenn man seine Einstellung auf gutes Essen umstellt und die Nahrungsaufnahme nicht mehr nur als notwendiges Übel bzw. punktuelles Essvergnügen im nächstbesten Restaurant betrachtet. Der Aufwand scheint hoch aber geht schnell in die normale Routine über. Bereits nach einigen Wochen denkt man nicht mehr über die „verlorene“ Zeit nach und erfreut sich an der neugewonnenen Lebensqualität. Ich möchte nicht mehr zurück zum „Fertigessen“ und genieße die liebevoll hergestellten Lebensmittel die es bei uns jetzt jeden Tag gibt.

Cheers!
Alex

P.S. Einen kleinen Haken hat die Sache allerdings schon. Auswärts essen wird immer schwieriger, da gute Qualität nicht Standard ist und man schnell lernt den Unterschied zu schmecken.